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Phosphat und Nitratgehalt in Gewässern

Dieses Thema im Forum "Wasserwerte" wurde erstellt von Rhz69, 1. Aug. 2020 um 17:35 Uhr.

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  1. Rhz69

    Rhz69 Mitglied

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    Hallo zusammen,

    wie ihr wisst beschäftige ich mich gerne mit Wasserwerten, dabei bin ich über ein paar Daten gestolpert, die für die Teichforum durchaus interessant sein dürften.
    Es ist so dass seit dem Beginn der Ökologischen Bewegung in den 70ern die Wasserqualität im deutschsprachigen Raum besser geworden ist.

    Phosphat und Nitratgehalt in Gewässern_607296_Bildschirmfoto 2020-08-01 um 16.50.42.png_png
    In dem Anhang sind die Wasserwerte des Bodensees von dieser Seite:
    https://www.igkb.org/aktuelles/bode...em-bowis/zentrale-messdatenbank-vom-bodensee/
    Man kann auch im Nitratbericht des Bundesumweltamtes nachschauen mit ähnlichen Daten. Die Darstellung gefiel mir nicht so.

    https://www.bmu.de/meldung/nitratbericht-2020/


    Der Phosphorgehalt ist seit den späten 70er Jahren von 80 auf 8 ug/ L gefallen. Wer einen Phosphat-Test hat, der nutzt andere Einheiten (Abfall von 0.24 auf 0.024 mg/L berechnet als Phosphat). Während mein Phosphat Tröpfchentest den Wert von 1975 klar messen konnte und als zu hoch bewertet hätte ist der heutige Wert kaum nachweisbar und im grünen Bereich. Das ist ein Erfolg der Oekobewegung der durch kontrolliertere Düngung und vor allem durch den Ersatz von Phosphat in Waschmitteln erreicht wurde. Das ist schön für den Bodensee, aber was hat das mit meinem Teich zu tun?
    Es ist vor allem interessant für Teich-Neulinge und für Leute die (Algen)-Probleme nach dem Nachfüllen haben. Dafür wird gerne das böse Phosphat verantwortlich gemacht und deswegen bekommen viele Teichneulinge gleich einen Phosphatabsorber verkauft. Man kann das nicht verallgemeinern, aber ich wäre inzwischen vorsichtig den Verdacht gleich auf Phosphat zu schieben. Das Problem ist, das fehlendes Phosphat bei Nitratbelastung des Nachfüllwassers ebenfalls zu Algen führt. Wenn man jetzt über einen Phosphatabsorber auch noch alle Reste herausholt, dann wachsen die Pflanzen überhaupt nicht, was in der Regel die Algen freut. Bei Brunnenwasser würde ich inzwischen Phosphat fast ausschliessen, bei Leitungswasser kann das Phosphat auch durch die Trinkwasseraufbereitung zugeführt werden. Wenn die Versorger eine andere Möglichkeit haben, werden sie das aber nicht machen Phosphat ist nicht so ganz billig. Meine Trinkwasseranalyse gibt Phosphat an (0.04 mg/L). Messen mit Tests müsst ihr im übrigen direkt das Trinkwasser, im Teich wandelt sich ds Phosphat schnell in andere Verbindungen um, die in den Tröpfchentests nicht mehr nachweisbar sind, aber immer noch düngen.

    Teichbauern, die einem Phosphatabsorber verkaufen, kann man dos noch nicht mal übel nehmen, wenn sie diese Daten nicht kennen handeln sie aus ihrer Erfahrung. Die Naturteiche sind aber mit der ökologischen Bewegung entstanden, stammen also aus den Zeiten, wo Phosphat als Algenursache keine schlechter Ansatz.

    Was sich nur langsam ändert ist die Nitratbelastung. Die EU verklagt ja bereits Deutschland deswegen. Das ist vor allem in den Gebieten mit viel Viehbestand ein Problem. Da geht genausoviel Nitrat in den Boden, wie erlaubt ist. Deswegen geht der Trend dort auch nur sehr langsam nach unten.
    Phosphat und Nitratgehalt in Gewässern_607296_Bildschirmfoto 2020-08-01 um 16.51.12.png_png

    Auch hier ist die Basis Stickstoff, in Nitrat umgerechnet wäre der Wert 4.5 mg/L, im Vergleich zu anderen Regionen mit bis zu 100 mg/L geht es dem Bodensee gut, das ist für einen Teich aber immer noch relativ hoch.
    Phosphat und Nitratgehalt in Gewässern_607296_Bildschirmfoto 2020-08-01 um 16.26.54.png_png

    Also wer Algen Probleme hat und die Pflanzen wachsen nicht, es kann inzwischen auch ein Phosphat Mangel sein und nicht ein Phosphatproblem. Dummerweise benötigen die Pflanzen neben Kohlenstoff (CO2) auch Kalium und Phosphat um Stickstoff abzubauen.

    ich hoffe der Beitrag hilft jemandem

    viele Grüsse

    Rüdiger
     
  2. troll20

    troll20 Mitglied

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    Hallo Rüdiger,

    Danke für diesen Beitrag. Jedoch hättest du, wenn du in den ganz alten Beiträgen gesucht hättest auch dort schon diesen Hinweis finden können.
    Denn dort wurde schon vor über 15 Jahren vom Neuteichsyndrom gesprochen und dieses mit einem Nitritpeak je nach Ausgangswasser langen Verweilen von Schwebealgen Suppe erklärt ;)
    Aber danke fürs wiederauffrischen und ins rechte Licht setzen von Fakten auch aus dem Betrachtungswinkel eines Chemiker :oki
     
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  3. Rhz69

    Rhz69 Mitglied

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    Hallo René,

    Vieln Dank, der Eintrag würde mich interessieren. Ich hab mal nach Neuteichsyndrom gesucht, hab aber nichts gefunden. Mit Nitritpeak finde ich sicher eine Menge, aber das ist eigentlich nicht so ganz mein Punkt. Es geht um Abbau von Nährstoffen und verhindern von Algen.
    Der Nitritpeak ist dann schon durch.

    Viele Grüße

    Rüdiger
     
  4. peregrines

    peregrines Mitglied

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    Danke für den super Beitrag!! Super spannendes Thema!
     
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  5. Mushi

    Mushi Mitglied

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    Ich habe 0,8 mg/l Phosphat und 180 mg/l Nitrat und keine Fadenalgen. Andererseits wachsen Algen als anspruchlose Einzeller bereits bei kleinen Dosen an Nährstoffen. Ich würde deshalb diese beiden Werte am Teich nicht zu ernst nehmen.

    Grüße,
    Frank
     
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  6. peregrines

    peregrines Mitglied

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    ... und ich habe mir - bevor das Wasser von selbst glasklar und algenfrei wurde - monatelang Sorgen gemach wegen 40mg! :wand
     
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  7. Chelmon1

    Chelmon1 Mitglied

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    Hallo Frank,
    bei 180mg Nitrat pro Liter wachsen vielleicht keine Fadenalgen mehr. Das ist nämlich sehr viel gegenüber natürlichen Gewässern.
    Grüße, Robert
     
  8. Rhz69

    Rhz69 Mitglied

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    Hallo Frank,

    es geht eher darum, dass vor allem für Naturteiche eher zu wenig Nährstoffe im Wasser sein können, grade am Anfang, von daher sind deine Daten kein Widerspruch. Nick hat mal etwas geschrieben davon das Fadenalgen keine hohen Nitratwerte mögen, aber da lerne ich noch.

    Du hast einen Teich mit eher hohem Fischbesatz und Luftheber? Die Werte erscheinen mir sehr hoch, das könnte für Fische grenzwertig werden, falls der Sauerstoff mal nachlässt. Würde ich im Auge behalten, aber ich hab auch keine Fische im Teich.

    viele Grüße

    Rüdiger
     
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  9. Mushi

    Mushi Mitglied

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    Hallo Rüdiger,

    für Karpfen wird Nitrat oberhalb von 500 mg/l kritisch. Um 80 mg/l Nitrat gab es auch keine Fadenalgen. Ja, ein Koi pro m³ und Luftheber.

    Grüße,
    Frank
     
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  10. Rhz69

    Rhz69 Mitglied

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    Hallo Frank,

    hab grad deinen Beitrag bei, "Wie sieht es an Euren Teichen aus" gelesen, Jetzt versteh ich dein System. Das Problem ist, wenn man bei den hohen Nitratwerten zu wenig Sauerstoff hast, dann gibt es auch Bakterien, die aus Nitrat Nitrit machen, dann wird es halt gefährlich für die Fische. Die Bakterien mögen aber eben keinen Sauerstoff, ist ja ihr Trick, dass sie den aus dem Nitrat kriegen.
    Das dürfte bei dir nicht so schnell passieren, bei der hohen Gassättigung. Interessant, dass das so geht.

    Viele Grüße

    Rüdiger
     
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