Teich umgekippt? Auslöser gesucht. Ratlosigkeit macht sich breit...

ra_ll_ik

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Diesmal geht es nicht um mein Wasser, sondern um das meines Bruders.
Erstmal die Fakten:
Wasservolumen: ca10-12 m3, Pumpe Aquamax 12000, Biotec 10.1, UVC Licht mit 5000 l max. Durchfluß
Fischbesatz: Goldfische, Koi und 3 Spiegelkarfpen.
Wasserwerte vor einer Woche testen lassen, waren soweit i.O

Das Problem:
Vor drei Wochen fing das zuvor klare Wasser an, grün zu werden.
Der Filter wurde regelmäßig gesäubert, also alles so wie immer.
Die UV Birne ist definitiv in Ordnung.
Die Sichttiefe verschlechterte sich von Tag zu Tag.
Der Einsatz einer zweiten UV Lampe samt Pumpe und Filter brachte keinen Erfolg.
Mitte letzter Woche wandelte sich das grüne Wasser so langsam ins bräunliche.
Darüber hinaus fing es auch an zu müffeln....
Wie kann so etwas passieren? Von heute auf morgen?
Heute wird der gesamte Teich ausgepumpt und komplett gereinigt.
Wir sind Ratlos.

Ich habe allerdings eine Vermutung.
Es war im April als ein Bauer in der Nähe sein Feld pflügte. (frisch gedüngt?)
An dem Tag war es sehr stürmisch und der ganze Teich war voller Sand.
Es war so schlimm, das ein Teilwasserwechsel gemacht werden mußte.
Kann es sein das doch noch Reststoffe vorhanden sind? Wirken die Stoffe so lange nach?
Kann es am Futter liegen? Die Sorte wurde vor drei Wochen gewechselt?

Wie denkt ihr darüber?
 

rainthanner

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AW: Teich umgekippt? Auslöser gesucht. Ratlosigkeit macht sich breit...

Hallo Ralf,


gutes Beispiel, um zu sehen, wie wichtig der Sauerstoffgehalt im Wasser ist. :lala:


Gruß Rainer
 

ra_ll_ik

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AW: Teich umgekippt? Auslöser gesucht. Ratlosigkeit macht sich breit...

gutes Beispiel, um zu sehen, wie wichtig der Sauerstoffgehalt im Wasser ist.

Hallo Rainer
Denkst du das Sauerstoffmangel der Auslöser war?

Kann ich nicht glauben. Die Werte waren i.O.
Auch bei den Fischen ist kein Mangel wie Notatmung zu erkennen.
Die Verhalten sich wie immer, sind aktiv und fressen. Einzig eine erhöhte Schaumbildung ist auf dem Wasser zu erkennen.
Aber das habe ich auch, ohne das das Wasser umkippt.....
 

Annett

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AW: Teich umgekippt? Auslöser gesucht. Ratlosigkeit macht sich breit...

Hallo Ralf,

es spielt keine große Rolle, ob der Acker nebenan frisch gedüngt war oder nicht.
Wenn Du im Garten Gemüse anbaust, dann wächst das auch mal ein Jahr ohne Dünger, da die Bodenorganismen organisch gebunden Stickstoff (Humus etc.) auch wieder freigeben können.
Reiner Sand enthält keine Nährstoffe, aber der Landwirt wird wohl auch keinen Sandkasten/Sandgrube bewirtschaften. ;)
Bei uns geht bei viel Wind auch "der Acker wandern" und man schaut vom Schlepper schon mal traurig/sauer hinterher, denn das ist unsere nicht ersetzbare Grundlage.
Leider ist heute Zeit = Geld und der Termindruck ist so schlimm wie in anderen Branchen auch...
Gearbeitet wird, wenn die Zeit dazu und der Acker befahrbar ist.

Was ich damit sagen will... ob nun Gartenerde vom Rand eingespült wird, oder aber von Nachbars Acker reinfliegt ist völlig egal!
Wahrs. enthält der Ackerboden wesentlich mehr Nährstoffe als der des Gartens.

Wenn Ihr ausgepumpt habt, schaut nach, wieviel Dreck wirklich drinnen ist und versucht wenigstens etwas altes Wasser/Mulm und den Filter zu erhalten.
Oder Du bringst dem Kumpel entsprechendes Wasser zur Impfung, falls bei Deinem Teich alles im Lot ist!

Tote Tiere/Fische am Bodengrund könnt Ihr ausschließen?
Ich hab erst vor 2 Wochen einen toten Frosch aus dem Wasser gezogen. :kotz Er sah aber noch relativ gut aus.... und lag nicht direkt im Teichwasser.
So wie er/sie aussah, hatte wohl das Paarungsspiel zu viel Energie gekostet.
 

karsten.

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AW: Teich umgekippt? Auslöser gesucht. Ratlosigkeit macht sich breit...

Hallo

hier für alle etwas aus der Forengeschichte

Was heißt eigentlich "Umkippen" eines Teiches?

[ Antworten ] [ Ihre Antwort ] [ Forum www.saxonet.de ]
Abgeschickt von Wolfgang am 10 Juli, 2003 um 21:40:42:

Einige Bemerkungen zum plötzlichen Massensterben von Fischen, Kaulquappen u.a.
Ich bitte im Vorfeld um Entschuldigung, wenn der folgende Beitrag belehrend wirkt, aber ich meine, dass jemand, der einen Gartenteich besitzt und damit - wie Quappelix schon oft betonte - ein großes Stück Verantwortung (besonders für zuwandernde heimische Arten) übernimmt, einige Grundkenntnisse über die Wasserchemie haben sollte. Ich will Euch auch nicht mit chemischen Formeln quälen, die kann man in der Fachliteratur nachlesen, aber das Phänomen "Umkippen" ist wichtig genug, genauer beleuchtet zu werden.
Zunächst muss man wissen, dass die meisten untergetauchten (submersen) höheren Pflanzen und alle Algen (sie bilden die Hauptmasse der Pflanzen!) ihren Kohlenstoffbedarf nicht direkt aus CO2 decken (wie die Landpflanzen), sondern aus löslichen Kohlenstoffverbindungen, den sogenannten Bikarbonaten. Wenn denen Kohlendioxid entzogen wird, entstehen unlösliche Karbonate. Drum sind untergetauchte Gegenstände, wie Steine oder Blätter, nach längerer Besonnung oft mit einer hauchdünnen milchigen Kruste überzogen (merkt man gelegentlich beim Baden). Die Karbonate werden bei Dunkelheit durch sich lösendes CO2 aus der Luft wieder aufgelöst (in Bikarbonat zurück geführt) und der Prozess kann von vorn beginnen.
Soweit so gut und "normal".
Sind zu viele Algen vorhanden (also in "überdüngten" Gewässern), reicht die Reserve an Bikarbonat nicht aus. Die Pflanzen werden so kohlenstoffhungrig, dass sie ihre Strategie ändern und die unlöslichen Karbonate angreifen, um an den begehrten Kohlenstoff zu kommen. Dabei entstehen Oxide, die wir zum Beispiel als "Branntkalk" kennen. Jeder weiß, wie gefährlich (ätzend) die sind, weil sie in Verbindung mit Wasser zu Hydroxiden werden. Dieser auch als "biogene Entkalkung" bezeichnete Vorgang treibt den pH-Wert steil nach oben!
Wie kommt es nun, dass Fische und viele andere Tiere dies nicht vertragen?
Die meisten Kiemenatmer entsorgen ihr beim Stoffwechsel anfallendes (hochgiftiges) Ammoniak (NH3) nicht wie wir über die Nieren (Harnstoff) sondern geben ihn direkt über die Kiemen an das Wasser ab. Ammoniak löst sich aber nur in saurem oder neutralem Wasser gut (pH £ 7). Steigt der pH-Wert weit über 9 und ist es dazu noch warm, löst es sich gar nicht mehr. Die Tiere vergiften sich sozusagen selbst. Die ganze Kettenreaktion wird also vor allem durch (oft mikroskopisch kleine) Algen bewirkt, die sich "ganz normal" durch Photosythese ernähren und spielt sich daher nur bei Licht ab (also in den oberen Wasserschichten und bei intensiver Besonnung). Fische, jüngere Kaulquappen und andere Kiemenatmer haben nun zwei Möglichkeiten:
1. Sie gehen auf Grund, wo der pH-Wert kleiner ist. Dort werden sie ihr Ammoniak los, müssen aber ersticken, weil Sauerstoff fehlt.
2. Sie bleiben oben. Dort können sie frei atmen, vergiften sich aber an ihrem eigenen Ammoniak (Autintoxikation nennt man das).
Die meisten Arten "entscheiden" sich für die erste Variante.
In jedem Fall treiben sie - aufgetrieben durch die gasbildende Tätigkeit von Bakterien - nach einiger Zeit bauchoben und sind mausetot.
Die fatale Kette - letztlich ausgelöst durch zu viel Nährstoffe - ist endlos, denn nun verfaulen die Fische. Die dadurch bewirkte Sauerstoffzehrung macht auch den letzten Überlebenden den Garaus. Was nach diesem stinkenden Prozess übrigbleibt, ist zunächst wieder klares Wasser. Alle vorher in den Tieren gebundenen Nährstoffe sind nun aber wieder frei und der ganze Schlamassel geht von vorn los. Dieser vor allem im Sommer in kleinen und mittleren Stehgewässern, gelegentlich sogar in Seen und langsamen Flüssen beobachtbare Effekt hat also nichts mit "Gift" im Sinne von "Chemie" zu tun. Schon relativ geringe Mengen "Dünger" (egal ob organisch oder mineralisch) genügen, um das letztliche "Umkippen" zu bewirken.
In den meisten Fällen hat also doch der Mensch Schuld, weil er - nachlässig oder unwissend - Gewässer überdüngt (eutrophiert), was natürlich um so schneller geht, je kleiner ein Gewässer ist.
Und damit sind wir wieder beim Gartenteich und bei der Frage, was man tun kann, um dieser Zwickmühle zu entgehen.
Sind Nährstoffe erst einmal gelöst, helfen keine Filter und schon gar nicht alle möglichen chemischen Keulen. (Traue nie einem "Fachmann", wenn er dir etwas verkaufen will!)
Am besten, man stoppt jede Nährstoffzufuhr (Fischfutter) und sorgt für Nährstoffaustrag: Entschlammen, Wasser wechseln, übermäßiger Besatz (Tiere wie Pflanzen) raus usw..
In Kenntnis der erwähnten Zusammenhänge fährt man am besten, wenn man es gar nicht erst soweit kommen lässt und von Anfang an ein Gleichgewicht zwischen Nährstoffeintrag und
-austrag anstrebt. Dabei können übrigens Kaulquappen (wie auch Insektenlarven u.a.) sehr fleißige Helfer sein, weil sie ja Nährstoffe (Biomasse) aufnehmen und dann damit das Gewässer verlassen. Solange dies nur durch Laubfall und Regen ausgeglichen wird (der heute auch nicht ganz nährstofffrei ist) und nicht etwa durch Fischfutter, hält sich auch ein kleiner Teich lange stabil. Amphibienfreunde sollten also über Fische im Teich nicht nur kritisch nachdenken, weil die Laich und Kaulquappen fressen!


Ohne richtige Wasserwerte ist so eine Beurteilung aber schwierig .

genauso wäre statt dem so-genannten Umkippen (O2 mangel)

eine Vergiftung möglich ....... (Pflanzenschutzmittel ?... @Joachim:flehan :lala )

oder ein nicht entsorgtes totes Tier......

wie werden eigentlich Karpfen in so einem Teich gefüttert ?
und
wie wird soviel jeden Tag ausgetragen ?


mfG
 
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Nestor

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AW: Teich umgekippt? Auslöser gesucht. Ratlosigkeit macht sich breit...

Morgen,


@karsten
sorry wenn ich hier so plump einhake, aber die Definition von "biogener Entkalkung" kannte ich bisher nicht. Nur solche: http://de.wikipedia.org/wiki/Biogene_Entkalkung
Hast du mehr darüber? Vorallem über die "geänderte Strategie der Pflanzen"? Danke! :)

Grüße
Björn
 

karsten.

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Hallo

schau mal hier
und in Deinen Briefkasten :cool:

mfG
 
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ra_ll_ik

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wie werden eigentlich Karpfen in so einem Teich gefüttert ?
Moin
genauso wie die Koi´s, mit Teichsticks.
Gut das Rüsselmaul ist um einiges größer aber ansonsten besteht kein Unterschied. :)

Nachdem wir gestern den Teich komplett ausgepumpt haben, konnten keine tote Tiere gefunden werden.
Die Fische waren in einem gutem Zustand, die Frösche und auch die Kaulquappen waren recht munter und im Schlamm wimmelt allerlei Kleingetier.
Der Sandeintrag hielt sich ebenfalls in Grenzen.
Pflanzenschutzmittel sind auszuschliessen.


@Annett
ob nun Gartenerde vom Rand eingespült wird, oder aber von Nachbars Acker reinfliegt ist völlig egal!
Wahrs. enthält der Ackerboden wesentlich mehr Nährstoffe als der des Gartens.
Gartenerde vom Rand ist auszuschliessen, da ein Steinwall vorhanden ist.
Als der gute Mann am pflügen war, herrschte seit Wochen Trockenheit und Windstärke 8-9.
Es soll kein Vorwurf sein, aber das ganze Haus, die Terasse alles war voller schwarzem Sand, sprich richtig gutem Ackerboden, der mit Sicherheit auch gut gedüngt war.
Somit wäre der Nährstoffüberschuß zu erklären. Dann erklärt sich auch folgendes:
Mein Bruder und ich haben gleichzeitig bei einer Gärtnerrei gleiche Wasserpflanzen gekauft.
Meine sehen "normal" aus, die meines Bruders wuchern und wachsen doppelt so schnell. ---> mehr Nährstoffe im Wasser?

Na ja, der Teich wird gefüllt und dann mal sehen wie es sich entwickelt.
Solltet ihr noch Tips haben, dann her damit.;)
 

Annett

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AW: Teich umgekippt? Auslöser gesucht. Ratlosigkeit macht sich breit...

Moin Ralf,

ich wäre auch stinksauer, wenn es mein Teich wäre.
Der "schwarze Sand" wird tatsächlich Mutterboden gewesen sein. Sandige Böden sind eher gelblich gefärbt.
Ich gehe davon aus, dass der "Gute Mann" sein Feld für die Aussaat vorbereitete und nicht gepflügt hat, sondern den Grubber (riesiger Rechen) benutzte. Beim Pflügen (ist fast wie Umgraben) stiebt es meist nicht so sehr, denn man holt eher feuchtes Material hoch.
Zum Glück liegen bei uns nur wenige Felder so nah an dauerhaft menschlich genutzten Flächen.... der Ärger über Unkrautberge, Autofelgen oder abgelassenes Wasser aus Swimmingpools auf dem Acker ist trotzdem groß genug. :rolleyes:

Es werden m.M.n. die eingewehten Nährstoffe sein, die den Teich und die Pflanzen so reagieren ließen.
Beim nächsten Mal hilft wohl nur eine stabile Plane über dem Teich... wenn man genau dann daheim ist. :rolleyes:
Oder Ihr pflanzt eine große Hecke in Richtung Feld, die den Dreck evtl. etwas abhält.
(denkt dabei aber an die gesetzlichen Abstände im Außenbereich ;) )

Kannst ja mal berichten, ob sich der Teich wieder fängt!
 

ra_ll_ik

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AW: Teich umgekippt? Auslöser gesucht. Ratlosigkeit macht sich breit...

Beim Pflügen (ist fast wie Umgraben) stiebt es meist nicht so sehr, denn man holt eher feuchtes Material hoch.

:) Da du ja vom Fach bist lade ich dich mal ein unseren schönen Papenburger Boden zu begutachten. :)

Wir haben alles zu bieten, vom gelben Sand (sehr selten), über abgetorfte jetzige Ackerflächen (sehr viel) über Restmoorflächen und dem schönen Kleiboden....usw. :D
 

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