Teichgeschichte

gabi

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Hallo zusammen,

wird Zeit das ich mal mich und meinen Teich vorstelle. Wir, also mein Mann, zwei Kinder und Hund, wohnen am Stadtrand von Köln ca. 800 m Luftlinie vom Rhein entfernt. Da der Gartenteich mein Steckenpferd ist hat sich mein Mann kurze Zeit später einen Bottich mit Sprudel zugelegt. Unser Hund aber ist der Meinung wir hätten beides allein für ihn gemacht.

Sammy.jpg

Der Teich wurde im Oktober 2002 ausgehoben und mit Wasser aus unserer Regenwasserzisterne befüllt. Er ist ca. 2,00m x 3,00m groß und an der tiefsten Stelle 1,20m. Auch die ersten geschenkten Pflanzen (u.a. eine Seerose) sind noch vor dem Winter eingezogen. Das Ganze war ein echter Schnellschuss. Von der Entscheidung bis zum Wasserloch vergingen etwa 2 Wochen (Lieferzeit der Folie). Durch einen glücklichen Zufall haben wir den Teich unter dem Wohnzimmerfenster gegraben. So kann ich von drinnen (und auch bei Regen) den Teich und seine Besucher beobachten ohne zu stören. Andere Entscheidungen dagegen haben sich als echte Newbie-Fehler herausgestellt, die jetzt nicht mehr korrigiert werden können. Fast alle Wände sind zu steil. Der Steilhang, wo keine Pflanzen wachsen ist am Zaun, der schönste Blick auf den Teich jedoch wuchert langsam zu. Na ja, damit muß ich mich jetzt arrangieren.

Teichneu2.JPG
Nach dem Winter und eingehender Studie vieler im www erhältlicher Informationen stand fest das für mich nur ein möglichst naturnaher Teich in Frage kommt. Also habe ich als erstes den Wunsch nach (Gold-)Fischen beiseite getan. Die haben nämlich Libellenlarven zum Fressen gern.

Ach ja, wenn hier im Forum jemand anderer Meinung ist bin ich immer für konstruktive Kritik zu haben.

Entgegen vieler Ratschläge habe ich auch auf eine Pumpe verzichtet. Das Wort Pflanzenfilter kannte ich bis vor 2 Wochen gar nicht. Auch wollte ich mal versuchen ob ich ein stabiles Gleichgewicht ohne jeglichen Wassertausch hinbekomme. Ein Biotop also.

Konnte noch eine Sumpfdotterblume und weitere Pflanzen von einem Nachbarn bekommen.

Auf die Algenblüte im Frühjahr war ich gefasst.
SeeroseAlgenbluete2.JPG

Und Ende Juni war der Teich klar bis zum Grund.

Ansicht3.JPG

Auch diverse Käferlarven waren zu beobachten. Im Juli hat sich sogar ein Wasserfrosch eingefunden. Und das war der Auslöser für mein Desaster. Ich hatte irgendwo gesehen/gelesen das man zu Dekorationszwecken z.B. einen Stamm auf dem Wasser dümpeln lassen kann. Ich dachte das als Ruhesitz für den Frosch und hab ein ca. 1 Meter langes Stück einer Korkenzieherweide reingelegt. Das sah auch ganz toll aus, der Stamm hat sich bewurzelt und aus ausgetrieben. Es war der Supersommer 2003 und wir waren im August 3 Wochen in Urlaub. Als wir wieder zu Hause waren sah der Teich so aus.

Algen1.JPG

Woher kamen die Algen? Das Wasser war zwar noch immer klar aber der Teich drohte komplett zuzuwuchern. Als Sofortmaßnahme habe ich etwa die Hälfte der Algen entfernt. Ich musste nur aufpassen damit ich nicht auch Libellenlarven erwischte. Das die Ursache ein Nährstoffüberschuss war wurde mir schnell klar. Aber woher? Ich war mir keines Fehlers bewusst. Lange Rede kurzer Sinn. Es dauerte 9 Monate (April 2004) bis ich auf das naheliegende kam. Ich kannte ja noch kein Teich-Forum. Mein schöner Deko-Baumstamm fing nun sichtbar an sich zu zersetzen. Erst als ich diesen entfernte beruhigte sich das explosive Algenwachstum l a n g s a m . Ich habe aber bis in den September diesen Jahres hinein noch regelmäßig Algen entfernt, auch wenn sich nicht mehr so große Polster gebildet haben. Ich hab nämlich die Befürchtung mit den Algen nicht nur allerlei Getier zu entsorgen sondern auch die noch kleineren Organismen die mir ja helfen sollen die Algen zu beseitigen (Ist nur eine Vermutung von mir). Zusätzlich zum Abfischen der Algen habe ich noch weitere Teichpflanzen gekauft, unter anderem den schwimmenden Büschelfarn den ich demnächst wohl im Pflanzenlexikon vorstellen werde. Neuester Erwerb sind drei Krebsscheren aus dem Teich einer Freundin.

So und nun hoffe ich das ich im nächsten Jahr ungetrübte Freude an meinem Teich habe.

Grüße
Gabi
 

StefanS

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Hallo Gabi,

nette Geschichte :) . Aber vielleicht zum Trost: Es ist ausgesprochen unwahrscheinlich, dass sich ein Teich ohne grössere Algenbildung stabilisiert. Diese tritt mindestens im Frühjahr und im Herbst auf, am Anfang mehr und im Laufe der Jahre immer weniger, dazu noch periodisch schwankend; da tobt der Kampf Schwebe- gegen Fadenalgen. Also kein Grund zur Frustration, wenn wieder einmal Algen auftreten sollten.

Es empfiehlt sich, abgefischte Algen (Fadenalgen) für ein paar Stunden neben dem Teich abzulegen, bevor sie endgültig entsorgt werden (z.B. auf dem Kompost). Larven und Käfer befreien sich erstaunlich schnell und finden problemlos in den Teich zurück. Kleinstlebewesen, die den Teich mit klären helfen, kann man natürlich nicht "retten". Die wichtigsten dsavon sind Wasserflöhe. Diese sollten sich in einem Teich, der für sie ideal ist (Schwebealgen, keine Fische) aber in kürzester Zeit wieder von selbst einfinden (eingeschlechtliche Vermehrung).

Achtung: In einem kleinen Teich führen selbst geringe Nährstoffgaben schnell zu zusätzlichem Algenwachstum. Es empfiehlt sich zudem die Ansiedlung von reinen Unterwasserpflanzen (zur Sauerstoffanreicherung, ohne zugleich CO2 auszutreiben, vor allem aber zur Bindung von Nährstoffen in Pflanzenmasse, deshalb auch regelmässig "abernten" und entsorgen) auch im Tiefbereich. Ein Teich, bei dem die Rahmenbedingungen richtig gesetzt sind, verkraftet Störungen viel schneller als ein Teich mit kritischen Bedingungen. Bei kleinen Teichen kann es sich lohnen, Schlick und Mulm jährlich (oder alle zwei Jahre) einmal zwar nicht vollständig, aber doch zum grossen Teil (Umgang mit Larven und Käfern s.o.) abzusaugen (Schlammsauger leihen).

Beste Grüsse
Stefan
 
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